Betriebsanweisung im Arbeitsschutz

Betriebsanweisungen gehören genau wie die Unterweisung zu den personenbezogenen Schutzmaßnahmen. Im Gegensatz zu einer Unterweisung, die mündlich erfolgt, handelt es sich bei einer Betriebsanweisung um ein schriftliches Dokument. 

 

Die Betriebsanweisungen werden vom Arbeitgeber erstellt und dienen als Unterweisungsgrundlage zur Prävention von Arbeitsunfällen. Sie sollen die Arbeitnehmer schriftlich auf Gefahren am Arbeitsplatz hinweisen und Hinweise für das gesundheitsgerechte Verhalten aufzeigen.

Inhaltsübersicht:

 

Was ist eine Betriebsanweisung?

Betriebsanweisungen dienen der Prävention von Arbeitsunfällen. Sie werden schriftlich nach einem standardisierten Aufbau erstellt und gelten für alle Beschäftigten. 

 

Grundlage für den Inhalt der Betriebsanweisungen sind die Gefährdungsbeurteilungen der jeweiligen Arbeitsstätte. Deswegen ist es besonders wichtig, dass die Anweisungen betriebsspezifisch erarbeitet werden, um bestmöglich auf die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort einzugehen. Die Betriebsanweisung ist eine Grundlage für die mündliche Unterweisung durch den Vorgesetzten und ist den Beschäftigten an geeigneten Stellen zugänglich. Häufig ist sie direkt an den Arbeitsplätzen ausgehängt. So haben die Beschäftigten wichtige Anweisungen, wie sie bei ihrer Tätigkeit Unfall- und Gesundheitsgefahren vermeiden können, immer im Blick. Der Sicherheitsbeauftragte kann inhaltliche Anregungen geben, wenn auffällt, dass wichtige Anweisungen noch mit in Betriebsanweisungen aufgenommen werden sollten.

Mit der Unterschrift des Arbeitgebers werden diese verbindlich und dienen als Grundlage für die Unterweisung und Einarbeitung der Beschäftigten.

 

Rechtliche Grundlagen der Betriebsanweisung

Es gelten folgende rechtliche Grundlagen für die Erstellung von Betriebsanweisungen:

 

  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) 

  • Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) 

  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) 

  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) 

  • Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)

  • Biostoffverordnung (BioStoffV) 

  • DGUV Vorschriften 1, 3, 4

  • DIN VDE 0105-100

 

In mehreren Paragraphen des Arbeitsschutzgesetz ist die Betriebsanweisung als Grundlage für die Unterweisung gefordert. (§ 4, 8, 9, 12 ArbSchG) Diese muss den Mitarbeitern vor Aufnahme der Tätigkeit und in verständlicher Form und Sprache zur Verfügung stehen.

 

Weiterhin ist im Regelwerk der Unfallversicherungsträger an vielen Stellen ausdrücklich die Notwendigkeit von Betriebsanweisungen gefordert, so zum Beispiel für Arbeitsverfahren wie Schweißen, für elektromagnetische Felder, Krane, Flurförderzeuge, für Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz, im Schiffsbau und etlichen weiteren.

 

Die Pflicht zur Erstellung von Betriebsanweisungen kann sich aber auch indirekt ergeben aus der Gefährdungsbeurteilung ergeben.

 

Die Beschäftigten müssen aufgrund ihrer Mitwirkungspflicht an Arbeitsschutzmaßnahmen, die in § 15 ff. DGUV Vorschrift 1 angeführt ist, die durch Betriebsanweisungen und Unterweisungen erhaltenen Anweisungen befolgen. Die Nichteinhaltung kann ansonsten sowohl arbeitsrechtliche als auch gesundheitliche Konsequenzen haben.

Sind Betriebsanweisungen verpflichtend?

​Ja, alle Beschäftigten sind dazu verpflichtet, sich an die Betriebsanweisungen des Arbeitgebers zu halten. Laut § 15 BGV A1 sind alle Anweisungen des Unternehmers zum Arbeitsschutz zu befolgen.

Die Inhalte von Betriebsanweisungen

In einer Betriebsanweisung ist schriftlich, kurz und übersichtlich zusammengestellt, was der Beschäftigte für die sichere Durchführung seiner Arbeit in seiner Arbeitsumgebung wissen muss. Die wichtigsten Gefahren, die von bestimmten Maschinen oder Arbeitsmitteln ausgehen, und wichtige Schutzmaßnahmen sind darin zusammengefasst.

 

Die inhaltliche Gestaltung der Betriebsanweisung unterliegt dem Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates nach § 87 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG).

 

Die Arten von Betriebsanweisungen

Betriebsanweisungen müssen für Maschinen, Bio- und Gefahrstoffe sowie für Arbeitsverfahren oder Arbeitsabläufe erstellt werden. Für die drei Arten werden drei verschiedenen Farben verwendet. Betriebsanweisungen für die Bedienung von Maschinen und Arbeitsverfahren werden in Blau dargestellt. Betriebsanweisungen für den Umgang mit Bio- und Gefahrstoffen sind Orange.

Betriebsanweisungen für die Benutzung von persönlicher Schutzausrüstung sind Grün.

 

In der Praxis sind Betriebsanweisungen für Gefahrstoffe und Arbeitsmittel die am häufigsten verwendeten Betriebsanweisungen. Daher werden diese im Folgenden kurz vorgestellt.

 

Betriebsanweisung für Bio- und Gefahrstoffe

Die inhaltlichen Anforderungen der Gefahrstoff-Betriebsanweisungen sind durch die TRGS 555 sehr konkret vorgegeben. Sie bestehen aus der Nennung von Arbeitsbereich bzw. Arbeitsplatz und Tätigkeit und werden in folgende Gliederungspunkte unterteilt:
 

  • Gefahrstoffbezeichnung

  • Gefahren für Mensch und Umwelt

  • Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln

  • Verhalten im Gefahrfall

  • Erste Hilfe

  • Sachgerechte Entsorgung

 

Nicht nur für Stoffe oder Zubereitungen mit einem Piktogramm, beispielsweise einen Kühlschmierstoff oder ein Lackspray, muss es eine Betriebsanweisung geben. Auch für entstehende Gefahrstoffe, wie Schweißrauche, Dämpfe in Galvanikbetrieben oder Holzstäube, müssen Betriebsanweisungen vorhanden sein.

Betriebsanweisungen für Arbeitsmittel und Geräte

In jedem Betrieb sind die verschiedensten Arbeitsmittel und Unterweisungen zu finden: Ob es sich um Geräte wie Drucker, Bohrmaschinen, Pressen oder Krane handelt – für Beschäftigte müssen vor der ersten Verwendung Betriebsanweisungen zur Verfügung stehen und eine Unterweisung durchgeführt werden.

 

Betriebsanweisungen für Arbeitsmittel enthalten folgende Gliederungspunkte:

  • Anwendungs- oder Geltungsbereich

  • Gefahren für Mensch und Umwelt

  • Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln

  • Verhalten bei Störungen und im Gefahrfall

  • Verhalten bei Unfällen und Erste Hilfe

  • Instandhaltung und Folgen der Nichtbeachtung


Unter dem Gliederungspunkt Anwendungs- oder Geltungsbereich wird beschrieben, für welchen Betriebszustand die Betriebsanweisung genau gilt, beispielsweise für Normalbetrieb oder Instandhaltungsarbeiten. Natürlich sind auch Angaben zu Arbeitsplatz bzw. Arbeitsbereich und Tätigkeit enthalten.

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Autorin: Frau Cornelia An

Fachkraft für Arbeitssicherheit und E-Learning-Autorin

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Wann muss eine Betriebsanweisung erstellt werden?

Grundsätzlich muss eine eine Betriebsanweisung erstellt werden, bevor Arbeitsmittel oder elektrische Anlagen erstmalig verwendet werden. Das heißt, vor allem bei der Einarbeitung neuer Mitarbeitr aber auch vor Aufnahme einer neuen Tätigkeit langjähriger Mitarbeiter.

 

In folgenden Fällen muss eine Betriebsanweisung erstellt werden:

  • vor der erstmaligen Verwendung von Arbeitsmitteln oder elektrischen Anlagen. 

  • bei Zugang zu besonders gefährlichen Arbeitsbereichen

  • vor der Arbeit mit Bio- oder Gefahrstoffen

 
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Für die Erstellung von Betriebsanweisungen ist der Arbeitgeber verantwortlich. Ihm obliegt die Pflicht, Betriebsanweisungen zu erstellen oder Unterweisungen durchzuführen. Dieser kann allerdings nach § 13 ArbSchG eine andere Person mit diesen Aufgaben betrauen, wobei häufig auf die Unterstützung durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit, den Betriebsarzt oder spezielle, fachkundige Personen zurückgegriffen wird.

Wer erstellt Betriebsanweisungen?

 
 
Betriebsanweisung für Bio- und Gefahrstoffe Beispiel
Betriebsansweisung für Arbeitsmittel Beispiel