DGUV Information 211-042

Welche Verpflichtungen, Aufgaben und  Anforderungen bestehen laut DGUV?

 Grundlagen


In Unternehmen mit mehr als 20 regelmäßig Beschäftigten müssen die Unternehmer Sicherheitsbeauftragte bestellen, die sich bestimmten Aufgaben im betrieblichen Arbeitsschutz widmen. Diese Verpflichtung ergibt sich aus dem § 22 SGB VII. Auch die Beteiligung des Betriebsrates ist hier festgeschrieben, die aus § 27 BetrVG (Betriebsverfassungsgesetz) - „Mitbestimmungsrechte“- abgeleitet wird.
Die Bestellung des Sicherheitsbeauftragten kann formlos erfolgen, wird jedoch häufig über Formblätter oder Ernennungsurkunden, in Verbindung mit einem Auszug der relevanten Gesetzestexte, vorgenommen.


In § 20 DGUV V1 wird ausgeführt, welche Faktoren der Unternehmer für die Ermittlung der erforderlichen Anzahl an Sicherheitsbeauftragten berücksichtigen muss. Die DGUV-Regel 100-001 beschreibt diese genauer. Auf dieser Grundlage legt der Unternehmer die Anzahl der Sicherheitsbeauftragten fest. Er kann sich hierzu natürlich vom Unfallversicherungsträger, der Gewerbeaufsicht, seiner Fachkraft für Arbeitssicherheit oder dem Betriebsarzt beraten lassen.
Wichtige Voraussetzungen sind, neben der grundsätzlichen Unfall- und Gesundheitsgefahr im Betrieb und der Gesamtzahl aller Beschäftigten, dass die Sicherheitsbeauftragten räumlich, zeitlich und fachlich den Beschäftigten ihres Arbeitsbereiches nahe sind. Wenn sie aus dem Kollegenkreis stammen und zum Beispiel Arbeitsbedingungen, Arbeitsumgebung, Arbeitsabläufe und Arbeitsmittel kennen, können sie ihren Aufgaben als Sicherheitsbeauftragte nachkommen.


Aufgaben


Als Sicherheitsbeauftragter hast du laut DGUV Information 211-042 die Aufgabe, den Unternehmer bei der Durchführung der Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufserkrankungen und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren, das heißt bei betrieblichen Arbeitsschutzmaßnahmen und deren wirksamen Umsetzung, zu unterstützen. Insbesondere achtest du daher in deinem Arbeitsbereich auf das Vorhandensein und die ordnungsgemäße Benutzung von Schutzeinrichtungen und persönlicher Schutzausrüstung.

Du machst den Unternehmer auf Unfall- und Gesundheitsgefahren aufmerksam, die du erkennst. Es ist zwar nicht vorgeschrieben, aber häufig sinnvoll, dies schriftlich zu tun. In vielen Betrieben gibt es dazu Vordrucke oder du schreibst eine E-Mail.
Dabei arbeitest du mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit, dem Betriebsarzt und auch dem Betriebsrat zusammen, die dir natürlich auch als zusätzliche Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Schließlich habt ihr alle dasselbe Ziel. Da du mit deinen Kollegen zusammen im Betrieb oder in der Arbeitsschicht tätig bist und deinen Arbeitsbereich, deine Arbeitsmittel, die notwendigen Arbeitsabläufe sowie die Arbeitsbedingungen kennst, bringst du die wichtigsten Voraussetzungen, deine Aufgaben erfüllen zu können, bereits mit. So kannst du Unfall- und Gesundheitsgefahren wie fehlende Schutzeinrichtungen oder defekte Persönliche Schutzausrüstung erkennen, auf sicheres Handeln hinwirken und dazu beitragen, dass in deinem Arbeitsbereich Arbeitsunfälle oder Gesundheitsgefahren vermieden werden.

Außerdem bewirkst du durch deine Vorbildfunktion auch ein sicherheitsgerechtes Verhalten deiner Kollegen. Im Laufe dieser Ausbildung wirst du noch einiges Grundlagenwissen zum Arbeitsschutz erhalten und dadurch für viele Themenbereiche sensibilisiert, auf die du achten solltest, um deine Funktion gut erfüllen zu können. Du erhältst neben Informationen noch praktische Beispiele, worauf Du als Sicherheitsbeauftragter achten solltest. Außerdem wirst du Tipps bekommen, wie du sensibel auf Kollegen oder Vorgesetzte zugehen kannst, wenn du deiner Aufgabe nachgehst.
Zu deinen Aufgaben gehört es auch, an verschiedenen Arbeitsschutzaktivitäten teilzunehmen.

Gibt es in deinem Unternehmen mehrere Sicherheitsbeauftragte, kann es sinnvoll sein, sich im Kreis der Sicherheitsbeauftragten dazu abzustimmen und jeweils nur einen Vertreter zu entsenden.


Teilnahme an ASA-Sitzungen (Arbeitsschutzausschuss-Sitzungen)


Nach § 11 AsiG muss in Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten ein ASA gebildet werden, der mindestens vierteljährlich Anliegen von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz mit übergeordneter Bedeutung berät.
Diese können zum Beispiel die Analyse des Unfallgeschehens, ein Austausch zur Wirksamkeit umgesetzter Arbeitsschutzmaßahmen oder eine Beratung über sicherheitstechnische Aspekte von neuen Arbeitsverfahren sein.
Als Sicherheitsbeauftragter bist du ein Mitglied des ASA. Weiter muss der Unternehmer oder eine beauftragte Person, zwei Betriebsratsmitglieder, die Fachkraft für Arbeitssicherheit und der Betriebsarzt teilnehmen. Bei Bedarf können weitere interne oder externe Teilnehmer eingeladen werden (DGUV Information 211-042).

 

Mitarbeit an der Gefährdungsbeurteilung


Der Begriff „Gefährdungsbeurteilung“ ist schon einige Male gefallen. Im zweiten Lernmodul wirst du darüber ausführlicher informiert. Kurz gesagt ist die Gefährdungsbeurteilung das Erkennen und Bewerten aller Gefährdungen, denen die Beschäftigten bei ihrer Tätigkeit ausgesetzt sind. Nachdem die Gefährdungen identifiziert und klassifiziert sind, müssen Maßnahmen erarbeitet werden, um das Risiko von eintretenden Unfällen, Erkrankungen oder arbeitsbedingten Gesundheitsgefährdungen zu minimieren. Als Sicherheitsbeauftragter kannst du nachvollziehen, ob festgelegte Maßnahmen durchgeführt sind, und ob diese auch sinnvoll wirken.


Begehungen


Regelmäßige Begehungen von Arbeitsplätzen sind ein sehr wichtiges Instrument des Arbeitsschutzes, um den Stand des Arbeitsschutzes im Betrieb unmittelbar zu erfassen und mögliche Handlungsfelder zu identifizieren. Durch Begehungen gewinnt man einen Eindruck von den Arbeitsbedingungen vor Ort, kann frühzeitig mögliche Belastungen erkennen und vieles mehr.
Finden interne Begehungen statt, ist ein Teilnehmerkreis ähnlich dem des ASA sinnvoll. Da du deinen Arbeitsbereich genau kennst, kannst du hier wertvolle Informationen oder Lösungsvorschläge beitragen.

 

Unfallanalysen


Nach einzelnen Arbeitsunfällen oder sogar einer Reihe von ähnlichen Arbeitsunfällen sollten die Unfallursachen untersucht werden. So können Maßnahmen getroffen werden, um weitere Unfälle zu verhindern. Auch hierbei kannst du als Spezialist in deinem Arbeitsbereich einen wertvollen Beitrag leisten.
Rechte und Pflichten, Befugnisse
Als Sicherheitsbeauftragter bist du im Arbeitsschutz in deinem Arbeitsbereich ehrenamtlich tätig. Dabei erhältst du keine Weisungsbefugnis oder Aufsichtsfunktion, sondern bleibst wie bisher deinem Vorgesetzten unterstellt. Bei deinem Vorgesetzten bzw. dem Arbeitgeber liegt auch weiterhin die Verantwortung für den Arbeitsschutz, du hast kein Haftungsrisiko.
Du trägst nicht mehr rechtliche Verantwortung für den Arbeitsschutz als jeder andere Beschäftigte auch. Vorher wurden dir ja schon die Pflichten aller Mitarbeiter genannt: Arbeitsschutzmaßnahmen müssen unterstützt und Weisungen befolgt werden, Mängel beseitigt oder weitergemeldet werden und die persönliche Schutzausrüstung muss getragen werden.
Es ist ausdrücklich geregelt, dass du wegen der Erfüllung deiner Aufgaben nicht benachteiligt werden darfst. Deinen Aufgaben kannst du ohne dafür festgeschriebenen Zeitaufwand innerhalb deiner Arbeitszeit nachkommen, der Unternehmer muss dir hierzu auch die Gelegenheit geben.
Weiter hast Du natürlich das Recht, innerhalb deiner Arbeitszeit an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen.

Zusammenfassung der Vorausesetzungen

• Sie verhalten sich im Arbeitsschutz selbst vorbildlich

• Sie haben einen guten Draht zu Ihren Kolleginnen und Kollegen

• Sie sind bereit, sich in Arbeitsschutzfragen weiter zu qualifizieren

• Sie haben Spaß an der neuen Aufgabe

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