Persönliche Schutzausrüstung

Welche Norm gilt für welche PSA?

Welche Anforderungen stellen Normen an Persönliche Schutzausrüstungen

PSA von Kopf bis Fuß erklärt

Helm  DIN EN 397

Bei allen Arbeiten und Tätigkeiten, bei denen herabfallende, umfallende, fortschleudernde, pendelnde oder wegfliegende
Gegenstände eine Gefahr darstellen, sowie Gefahr vor Stoßverletzungen und Abschürfen, müssen Industrieschutzhelme
getragen werden, die den Grundanforderungen der DIN EN 397 entsprechen:
Folgende Anforderungen an die Schutzfunktion des Helms müssen erfüllt werden:

  • Stoßdämpfung (durch elastische und plastische Verformung)

  • Durchdringungsfestigkeit (gegen spitze und scharfe Gegenstände)

  • Flammbeständigkeit

  • elastischer Durchgangswiderstand

  • Gewährleistung eines optimalen Sitzes

Folgende Anforderungen stellt
die Norm an die persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Praxistipps für Sicherheitsbeauftragte
  • Tragekomfort fördert die Akzeptanz

  • Erläutern Sie den Anwendern die Einstellungsmöglichkeiten des
    Kopfschutzes

  • Falls möglich individualisieren Sie den Kopfschutz mit eigenen
    Namen oder Firmenlogo, um die Identifikation mit dem Kopfschutz zu stärken

Brille DIN EN 166

Die europäische Norm DIN EN 166 beschreibt alle Anforderungen an den persönlichen Augenschutz:
Der Verwendungszweck ist als Kurzzeichen auf dem Trägerkörper abzulesen:

  • ohne - für allgemeine Anwendung

  • 3 - Für Flüssigkeiten

  • 4 - Für Grobstaub

  • 5 - Für Gas und Feinstaub

  • 8 - Für Störlichtbogen

  • 9 - Für Schmelzmetall und heiße Festkörper

Folgende Anforderungen stellt die Norm an die persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Praxistipps für Sicherheitsbeauftragte

Nutzen Sie die Auswahl an unterschiedlichen Designs, um dem Anwender ein attraktives Model anbieten zu können.

  • Ziehen Sie einen Optiker bei der Auswahl zu rate, um die Brille auf das jeweilige Gesicht anzupassen.

  • Achten Sie ebenfalls auf das Gewicht der Schutzbrillen, um den Tragekomfort positiv zu beeinflussen

Gehörschutz DIN EN 352

DIN EN 352 legt Anforderungen bezüglich Konstruktion, Gestaltung, Leistung, Kennzeichnung und Benutzerinformationen
für Gehörschützer fest.
Ab 85 dB(A) ist ein Gehörschutz gesetzlich vorgeschrieben.
Unterschiedliche Arten von Gehörschutz:

  • fertig geformte Gehörschutzstöpsel

  • Gehörschutz-Otoplastiken

  • vor Gebrauch zu formende Gehörschutzstöpsel

  • Bügelstöpse

 

Gesonderte Kennzeichnung für die zusätzliche Signalerkennung:

  • S: Signalhören im Gleisoberbau

  • V: Signalhören im Straßenverkehr

  • W: Warnsignalhören allgemein

  • E: Signalhören für Triebfahrzeugführer

Folgende Anforderungen stellt die Norm an die persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Praxistipps für Sicherheitsbeauftragte
  • Otoplasten bieten einen hohen Tragekomfort

  • Berücksichtigen Sie, dass Stöpsel ein größeres Schutzspektrum als Kapseln haben

  • Kombinieren Sie Kapselgehörschützer mit
    Kommunikationseinheiten, um die Tragezeit und Akzeptanz zu steigern.

  • Testen Sie die Wirkung von einem Gehörschutz immer in Kombination mit weiterer PSA.

Atemschutz DIN EN 149

Partikelfiltrierende Halbmasken und Masken mit Wechselfiltern sind in verschiedene Atemschutzklassen eingeteilt, die je
nach Belastung für verschiedene Einsatzbereiche im Betrieb geeignet sind:

FFP1 steht für Schutz gegen ungiftige Grobstäube,
4-fachen Grenzwert der jeweiligen Maximalen Arbeitsplatz-Konzentration (MAK)

FFP2 steht für Schutz gegen gesundheitsschädliche Stoffe („mindergiftig“) oder krebserzeugende Stäube,
zum 10-fachen Wert der jeweiligen Maximalen Arbeitsplatz-Konzentration (MAK)

FFP3 steht für Schutz gegen Stäube,
bis zum 30-fachen Wert der jeweiligen Maximalen Arbeitsplatz-Konzentration (MAK)

Folgende Anforderungen stellt die Norm an die persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Praxistipps für Sicherheitsbeauftragte
  • Halbmasken können nur bei frisch rasierten Gesichtern den vollen Schutz bieten.

  • Atemschutzmasken nicht offen lagern, da sich sonst Belastungen auf der Innenseite ablagern.

Tragezeitbegrenzungen immer beachten:

  • Halbmaske mit Ventil: 120min. Tragezeit / 30min. Erholungszeit / 3x pro Schicht

  • Halbmaske ohne Ventil: 75min. Tragezeit / 30min. Erholungszeit / 5x pro Schicht

  • Vollmaske: 105min. Tragezeit / 30min. Erholungszeit / 3x pro Schicht

*Siehe: Anhang 2 der BGR Richtlinie 190

  • Masken mit Ventilen bieten geringere Belastung für den Mitarbeiter.

Kleidung Warnschutz EN ISO 20471

Diese Norm legt Anforderungen für hochsichtbare Kleidung fest, die die Anwesenheit ihres Trägers visuell signalisiert:
Klasse 1: Reflexfläche: 0,10 m² - Fluoreszierende Fläche: 0,14 m²
Klasse 2: Reflexfläche: 0,13 m² - Fluoreszierende Fläche: 0,50 m²
bei geringer Verkehrsbelastung sowie Geschwindigkeiten bis ca. 60 km/h
Klasse 3: Reflexfläche: 0,20 m² - Fluoreszierende Fläche: 0,80 m²
Bei starker Verkehrsbelastung und bei Geschwindigkeiten ab ca. 60 km/h und höher

Folgende Anforderungen stellt die Norm an die persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Praxistipps für Sicherheitsbeauftragte

Personalisierungen durch Firmenlogos dürfen die Mindestfläche
nicht reduzieren.

  • die Mindestflächen der Ober- und Unterkleidung dürfen addiert werden.

  • Unterschiedliche Kleidergrößen und deren Flächenmaße immer beachten.

  • Warnjacken sollten immer geschlossen getragen werden.

Kleidung flammhemend EN ISO 11612

Hitze kann durch Konvektions-, Strahlungswärme, geschmolzenem Metall oder einer Kombination daraus entstehen.
Die Bekleidung ist durch folgende Parameter klassifiziert:
(A) Begrenzte Flammenausbreitung
(B) Konvektionswärme mit einer Skala von 1 – 5, wobei 5 den besten Wert darstellt
(C) Strahlungswärme mit einer Skala von 1 – 4, wobei 4 den besten Wert darstellt
(D) Geschmolzene Spritzer aus Aluminimum, mit einer Skala von 1 – 3, wobei 3 den besten Wert darstellt
(E) Geschmolzene Spritzer aus Eisen, mit einer Skala von 1 – 3, wobei 3 den besten Wert darstellt
(F) Kontakthitze, Skala 1-3, wobei 3 den besten Wert darstellt

Folgende Anforderungen stellt die Norm an die persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Praxistipps für Sicherheitsbeauftragte
  • Die Kleidung muss im Ernstfall schnell abzulegen sein

  • Die Kleidung soll sich am Bundbereich ausreichend überlappen.

  • Aufgebrachte Logos müssen ebenfalls aus feuerfesten Material gefertigt werden.

Kleidung und Wetter DIN EN 343

Die Bekleidung ist klassifiziert nach Wasserbeständigkeit und Dampfdurchlässigkeit:
A = Klasse Wasserbeständigkeit (max 3)
B = Klasse Dampfdurchlässigkeit (max 3)
A - Wasserbeständigkeit:
Klasse 1: ≥ 8000 Pa, vor der Vorbehandlung
Klasse 2: ≥ 8000 Pa, nach der Vorbehandlung
Klasse 3: ≥ 13 000 Pa, nach der Vorbehandlung
B – Dampfdurchlässigkeit:
Klasse 1: Ret > 40
Klasse 2: 20 < Ret ¬ 40
Klasse 3: Ret ¬ 20

Folgende Anforderungen stellt die Norm an die PSA

Praxistipps für Sicherheitsbeauftragte
  • Neben den Normenwerten ein attraktives Design auswählen, um
    Mitarbeiterakzeptanz zu steigern.

  • Die Kombination mit der passenden Unterwäsche und
    Zwischenbekleidung berücksichtigen.

  • Kalt/Warmempfinden ist Geschlechtsabhängig

  • Spitze Gegenstände in den Taschen vermeiden, da diese
    möglicherweise die wasserabweisende Materialschicht beschädigen können

Handschuhe und Chemie EN ISO 374

Die EN ISO 374 regelt die erforderlichen Anforderungen von Handschuhen, welche vor einer Belastung durch Chemikalien und/ oder Mikroorganismen schützen soll:

Typ A: Mindestdurchbruchzeit > 30 Minuten für mindestens 6 Chemikalien aus der Liste der festgelegten Prüfchemikalien

Typ B: Mindestdurchbruchzeit > 30 Minuten für mindestens 3 Chemikalien aus der Liste der festgelegten Prüfchemikalien
Typ C: Mindestdurchbruchzeit > 10 Minuten für mindestens 1 Chemikalie aus der Liste der festgelegten Prüfchemikalien

Folgende Anforderungen stellt die Norm an die PSA

Praxistipps für Sicherheitsbeauftragte
  • Durchbruchzeiten sind Laborwerte die keine Temperaturschwankungen oder mechanische Belastungen berücksichtigen

  • Im Zweifel die Durchbruchzeiten für die eigenen Chemikalien beim Hersteller gegenprüfen.

  • Hautbelastung durch geeignete Hautschutzprodukte reduzieren

  • Handschuhe nach Kontakt mit der Chemikalie immer entsorgen (Permeation kann nicht gestoppt werden).

Handschuhe und Mechanik DIN EN 388

Die Norm definiert die Leistungsfähigkeit eines Schutzhandschuhes für mechanische Belastungen:

a. Abriebsfestigkeit Klassen 0-4
b. Schnittfestigkeit (nach herkömmlichem Verfahren), Klasse 0-5
c. Weiterreißeigenschaften, Klasse A-F
d. Durchstichfestigkeit Klasse, 0-4
e. ISO-Schnittfestigkeit, Klasse 0-4
f. Stoßeinwirkung (optional)

Folgende Anforderungen stellt die Norm an die PSA

Praxistipps für Sicherheitsbeauftragte
  • Tragetest durchführen, um weitere Kriterien überprüfen zu können (Tragekomfort, Griffigkeit etc.)

  • Hautverträglichkeit der Materialien überwachen

  • Kombinationsprodukte aus unterschiedlichen mechanischen Belastungen einsetzen, um Handschuhwechsel zu vermeiden

Schuhe EN ISO 20345

Die Norm EN ISO 20345 legt Grundanforderungen fest, welche ein Arbeitsschuh erfüllen muss, um als Sicherheitsschuh bezeichnet zu werden:

SB: Regulärer Schuh mit Schutzkappe
S1: Regulärer Schuh mit Schutzkappe, antistatischer Behandlung und Energieaufnahmevermögen im Fersenbereich
S1P: Wie S1 mit zusätzlichem Durchtrittschutz
S2: Wie S1 mit zusätzlichem, wasserabweisendem Obermaterial
S3: Wie S2 mit zusätzlichem Durchtrittschutz
S4: Wie S2 mit wasserdichter Behandlung (Meist Gummistiefel)
S5: Wie S3 mit wasserdichter Behandlung (Meist Gummistiefel)

Folgende Anforderungen stellt die Norm an die PSA

Praxistipps für Sicherheitsbeauftragte
  • Passgenauigkeit individuell prüfen (Fußbreiten und Fehlstellungen)

  • Falsche Einlagen können den Schutz des Schuhes aufheben (immer mit dem Hersteller abstimmen)

  • Gewicht und Atmungsaktivität ebenfalls prüfen.

  • Schuh immer nach einer Energieabsorption entsorgen.

  • In Betrieben mit Ex Bereichen wird häufig über “Antistatik Schuhe vs. ESD Schuhe“ diskutiert. Dabei ist es eigentlich klar in der TRGS 727 geregelt.

  • In explosionsgefährdeten Bereichen der Zonen 0, 1 und 20 sowie in der Zone 21, bei Stäuben mit MZE ≤ 10 mJ, ist ableitfähiges Schuhwerk mit einem Ableitwiderstand der Person gegen Erde von höchstens 100MΩ zu tragen. 

  • Antistatik Schuhe dürfen nach EN ISO einen Widerstand bis zu 1 Gigaohm aufweisen und damit sind sie nicht mehr geeignet. 

 
 
 
 
 
 
 
  • White Facebook Icon
  • White Instagram Icon